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Als vor Jahren
die Amerikaner damit begannen, bei großen Straßenrennen dem
Publikum eine Soloklasse zu bieten, in denen Maschinen mit mehr
als 500 ccm Hubraum an den Start gebracht werden konnten, war das
die Geburt jener Rennkategorie, die inzwischen durch die FIM als
„Formel 750" sanktioniert wurde. Ja, - eine Zeitlang
hatte es sogar den Anschein, als ob diese neue Klasse eines
Tages allein prädestiniert sein würde, alljährlich den
Straßen-Weltmeister zu präsentieren. Die bisher in den
Soloklassen von 50 bis 500 ccm herausgefahrenen
Weltmeisterschaften sollten dann vielleicht den Status von
Europa-Meisterschaften erhalten. Freilich gab es gegen solche
Pläne auch schwere Bedenken. Der erste, der Bedenken gegen die
neue „amerikanische" Soloklasse äußerte, war der
Präsident. der Technischen Kommission in der FIM, H. W. Bönsch.
Ihm erschien das, was da in Amerika vorexerziert wurde, als
höchst gefährlich, ja teilweise sogar verantwortungslos. |
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Und zwar primär
wegen der völlig unkontrollierten Fahrgestellbauereien, die da
beispielsweise bei den ersten Daytona Veranstaltungen an den
Start gebracht wurden, großvolumige, leistungsstarke Triebwerke
in Fahrwer-
ken, die diesen Leistungen mit einiger Sicherheit gar nicht
gewachsen sein konnten. Später ist es dann, - nicht zuletzt
dank Bönschs Initiative - gelungen, die technischen
Bestimmungen für die Formel 750 einigermaßen in den Griff zu
bekommen. Aber dann ist die Entwicklung und das nicht zu
bremsende Leistungsstreben der Fahrer bzw. Konstrukteure dem
Erreichten wieder davongelaufen. Und wenn man heute mit Bönsch
als dem letztlich für die Überwachung der Rennentwicklung im
internationalen Motorsport Verantwortlichen über dieses Thema
spricht, dann macht er kein Hehl daraus, daß für ihn die
Grenze erreicht, ja bereits überschritten ist, an der das
Verantwortungsbewußtsein gegenüber Fahrern und Zuschauern
weiterer Steigerung der Effektivleistung für ein
Einspurfahrzeug kategorisch Halt gebietet. Von der Technik (z.
B, der Reifenentwicklung), mehr noch aber vom rein Menschlichen
her.
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Selbst
Monströse Doppelduplex-Trommel- bremsen mit großem
Durchmesser, guter Belüftung und breiten Rennbelägen
sind in der heutigen (1976!) Formel 750 bezüglich ihrer
Standfestigkeit absolut nicht mehr ausreichend. Heute
allerdings wären Classic-Racing Freunde heilfroh solche Stopper überhaupt noch
bezahlbar zu bekommen. So ändern sich eben auch diese
Zeiten! |
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Im Anschluß an den diesjährigen Lauf
in Daytona hat sich Kenny Roberts, immerhin Star im amerikanischen
Renngeschehen, zum Wort gemeldet und genau das zum Ausdruck gebracht,
über das sich bisher mancher gern als „Angstpsychose überalterter FIM
Funktionäre" mokieren wollte. Kenny Roberts plädiert, noch unter
dem Eindruck seines Vollgas-Duells mit Johnny Cecotto in Daytona, für
eine Reduzierung der Hubräume.
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Kenny Roberts: Die Geschwindigkeiten der 750er sind
auf Kursen wie Daytona ganz einfach zu hoch geworden, um noch sicher zu
sein. Es gibt, Daytona bewies es, keine Reifen, die diese Geschwindigkeiten
aushalten. Ein geringfügiger Fahrfehler, die geringste mechanische Unregelmäßigkeit - und der Fahrer ist hilflos. Gewiß ist Rennfahren immer mit
hohem Risiko verbunden. Aber 180 mph (ca. 288 km/h) sind einfach zu
viel.
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Die Reifentechniker hatten aus der Misere gelernt und brachten neues für's
damalige 73er Daytona Spektakel. Von links: Slick für hinten von Goodyear, KR 97 „Daytona 200" mit sehr breitem Querschnitt und fast profillose Variante von Goodyear für das Vorderrad.
Der Mittlere erinnert mich mehr an Straßenreifen, und die beiden
anderen sehen reichlich zerrupft aus, Na ja ??
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Roberts ist der Meinung, daß es viel
größere fahrerische Fähigkeiten erfordert, eine 250er bis zu ihrer Leistungsgrenze auszufahren als eine 750er.
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Kenny Roberts: Ich glaube, daß eine Reduzierung auf
350, noch besser 250 ccm im amerikanischen Rennsport das Beste für alle
Beteiligten wäre. Wir würden dann zwar um 20 mph (ca. 50 km/h) in der
Spitze langsamer sein - aber den Unterschied würden die Zuschauer gar
nicht feststellen können. Rennfahren würde dann weniger gefahrvoll sein,
würde aber auch weniger kosten und es wäre (bei gleicher Show-Wirkung) besserer Sport."
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Besorgt über die heutigen „drei Meilen pro
Minute" -Geschwindigkeiten beschwört Kenny Roberts die Organi-
satoren in den USA, die gegenwärtige Formel 750 zu reduzieren - am besten
gleich auf 250 ccm. Falls das nicht bis 1977 geschähe, werde er, immerhin
Amerikas Topfahrer und zweimal Nummer eins in Daytona, dort nicht
mehr am Start sein.
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Kenny Roberts: Cecotto und ich,
hatten in den Steilwandkurven von Daytona keine Kontrolle mehr über das, was
hätte geschehen können. Einmal kamen wir an einen langsameren Fahrer
heran, als dessen Motor plötzlich fest ging. Cecotto lag genau zwischen diesem Fahrer und der Außenwand, ich
direkt dahinter. Johnny ging mit Vollgas vorbei und ich folgte ihm, bei
diesen Geschwindigkeiten gibt es keine Alternative, und das ist das Unver-
antwortliche dabei.
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Durch die gefahrene Geschwindigkeit überhitzte sich der Hinterreifen an
Roberts Yamaha so stark, daß er in den Steilwandkurven schließlich kein
Vollgas mehr stehen lassen konnte. Die Reifen waren weich wie
Gummi.
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