|
.....bzw. das Ding passt
auch in einen Solorahmen! |
|
Die Zahl der
möglichen Rennsieger, wenn nicht gar „world beaters",
steigt ständig. Man baut sie nicht nur in englischen
Werkstätten, sondern auch auf dem Kontinent. Neuester Zugang zur
500er Klasse ist ein wassergekühlter Zweitakt-Boxer-Motor, der
auf dem Prüfstand 68 PS bei 9000 Touren abgab. Brauchbare
Leistung ist schon ab 7000 U/min vorhanden. Komplett mit Kupplung
und einem Vierganggetriebe aus einer 350er Norton wiegt das gute
Stück nicht mehr als 50 kg, und der Motor soll zur Zeit etwa 3000
Mark kosten.
Er hat einige Jahre
Rennerprobung hinter sich. Dennoch hat es bis vor kurzem keinen
professionellen Versuch gegeben, ihn in einen Motorradrahmen zu
hängen. Denn es ist ein Außenbordmotor, gebaut in der Berliner
Fabrik von Dieter König, der mit seinen Motoren nicht geringen
Ruhm auf dem Wasser ernten konnte. Aber aus irgendwelchen Gründen
mußten Motorradmotoren bisher Motorradmotoren sein, in der
großen Klasse vorzugs- weise luftgekühlte Viertakter. Sonst
verschwendete niemand einen Blick auf sie. Die englische
Entwicklung, Renngespanne mit Automotoren auszurüsten und der
deutsche Brauch, das gleiche mit Tourengespannen zu tun, dazu die
komplizierte Konstruktion moderner Zweitakter aus Japan und der
Tschechoslowakei, weiteten den Blick für brauchbare Motoren.
Im letzten
Avus-Rennen mit der Steilkurve, es war 1967, lief ein
Ausweisgespann mit einem Königmotor mit. Peter Köster aus
Altenbruch hatte es zusammengebaut. Solange er auf der Geraden die
Bootsvergaser offenhielt, hörte das Ding praktisch nicht auf,
immer schneller zu gehen. Aber sobald Teilgas gebraucht wurde, war
es vorbei mit dem runden Lauf. Außerdem schien es
Kühlungs-Schwierigkeiten zu geben, und schließlich flog die
Primärkette davon.
Berlins
Lizenzfahrer Karl-Heinz Woide hängte versuchsweise einen weiteren
Königmotor in seinen modifizierten BSA-Gold-Star-Rahmen, doch
auch hier stellten sich zunächst keine Erfolge ein. Nun
informierte sich Dieter König selbst über Motorräder und machte
sich über den Bootsmotor her.
Die Bootsvergaser,
deren Teillastbereich auf dem Wasser ja praktisch nicht benötigt
wird und deshalb auch mehr theoretischer Art ist, verschwanden.
Zwei BVF-Motorradvergaser ersetzen sie. Eine kleine Wasserpumpe
kam ebenfalls hinzu. Ein stark verrippter Behälter wurde
gegossen. Er sieht aus wie ein Olsumpf, enthält aber Wasser.
Schließlich entstand ein ganz neues Motorengehäuse, bei dem auch
das Kurbelhaus im Kühlwasser- strom liegt (bei den Bootsmotoren
sind nur die Zylinder gekühlt). Das Gehäuse besteht aus zwei
spiegel- gleichen Gußteilen, sie werden längs der Kurbelwelle
zusammengeschraubt.
Die Primärkette
bleibt, sie wird kaum mehr Kummer verursachen als Primärketten an
der Matchless oder an der Manx. Das Primär-Ritzel sitzt zur Zeit
noch auf einem Konus, aber es wurde ein ESO-Adapter beschafft, der
auf den Konus paßt und außen als Nutstück bearbeitet ist. Er
trägt dann die auswechselbaren Ritzel.
|
|
|
|
|
Der Zahnriemen,
von der Kurbelwelle kommend, wird über die beiden
kugelgelagerten Umlenkrollen geführt und treibt den Flach-
drehschieber an; zwischen den beiden Vergasern erkennt man bei
genauem Hinsehen das Zahnritzel, um das er gelegt wird.
|
Der
Auspuffsammeltopf ist eine tolle Sache, mit einer
sorgfältig abgestimmten Anlage müßte sich doch wohl eine
erheblich höhere Leistung aus dem Vierzylinder-Zweitakter
herausholen lassen.
|
|
Ein Flachdrehschieber steuert den
Einlaß. Er dreht sich auf dem Kurbelhaus des Vierzylinders, nicht
auf der Welle, wie man es von anderen Drehschieber-Konstruktionen
kennt. Eine der Merkwürdigkeiten dieses Motors ist der
Drehschieberantrieb: ein Zahnriemen, der auf der Kurbelwelle
läuft, dann um 90 Grad über zwei Kugellager umgelenkt wird und
zum Drehschieber zwischen den beiden Vergasern läuft. Dieter
König meint, im Boot funktioniere das vortrefflich, und jede
andere Art von Antrieb würde den Motor enorm verteuern.
Das Gemisch wird
entweder in die linke oder die rechte Gehäusehälfte geleitet, so
als liefen zwei Zweizylinder- Zweitakt-Boxer nebeneinander. Wie
üblich bei diesem Maschinentyp, laufen die zusammengehörigen
Pleuel auf einer 180 Grad-Kurbelwelle, das heißt in dem Fall,
daß zwei gegenüberliegende Zylinder zur gleichen Zeit zünden.
Das gestattet, jeweils einen Vergaser und einen Unterbrecher der
12 Volt-Batteriezündung pro Zylinderpaar zu verwenden. Hub und
Bohrung betragen 54 x 54 mm, das klassische Zweitaktquadrat. Die
Kolben tragen nur einen Ring, der genau geschliffen und geläppt
und schließlich hartverchromt wird (also keinen L-Ring). Die
Welle ist zusammengepreßt, vergrößerte Überlappung der
Preßsitze behob früheren Arger mit verdrehten Wellen. Der Motor
hat drei Kurbelwellen-Lager.
In den letzten
Wochen baute der Rüsselsheimer Lizenzfahrer Rolf Braun einen
vorläufigen Rahmen um den Motor, und das Motorrad nähert sich in
der Berliner Fabrik der Fertigstellung. Der sehr schmale Motor
paßt in den Doppelschleifenrahmen, die vier Auspuffrohre werden
erst zu zweit zusammengefaßt und münden dann in eine gemeinsame
Expansionskammer, die unter den Sitz paßt. Vier einzelne Rohre
würden eine etwas höhere Leistung in einem schmaleren Bereich
geben. Aber es ist zu wenig Platz, um die vier Expansionskammern
unterzubringen.
|
|
|
|
Für die Verwendung im Motorrad
hat König das normale Kurbelgehäuse so geändert, daß es
zusammen mit den Zylindern und deren Köpfen vom
Kühlwasser umspült wird,
zweifellos eine gute Lösung im Hinblick auf die Standfestigkeit
im Rennbetrieb.
|
|
Im Werk erwartet man keine
Kühlungsschwierigkeiten. Der Motor läuft in der Bootsklasse C
Stock mit Benzin, ist also nicht auf Innenkühlung mit Alkohol
angewiesen. Außerdem kann noch viel mit dem Wasserpumpenantrieb
gemacht werden. Ein Schnurring läuft über eine Verlängerung der
Unterbrecherwelle, und diese Übersetzung läßt sich leicht
ändern. Auch dieses System soll sich im Boot bewährt haben, dort
aber als Antrieb für den Tourenzähler. Als Kühler ist erst mal
ein Heizradiator aus dem Opel Kadett eingebaut. In den wenigen
run-ups im ersten Gang, die das Motorrad bisher hatte, stieg die
Temperatur nicht über 30 Grad.
H. Schn.
|
|
|
|
Dieser Bericht wurde nahezu unverändert
aus der Motorrad 17/69 entnommen. © MOTORRAD
und - H.Schn. - 1969
|
|